Offener städtebaulicher und freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb FERNMELDEZEUGAMT Heusenstamm

Projektname: Offener städtebaulicher und freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb FERNMELDEZEUGAMT Heusenstamm

Aulober: Stadt Heusenstamm

Erläuterung
Städtebauliche Leitidee

Zur Heirich-von-Stephan-Straße wird entlang einer Reihe von Punktförmigen Gebäuden eine durchlässige Raumkante zum nördlich angrenzenden Wohngebiet hergestellt. Die Punkthäuser knüpfen mit einer Geschossigkeit von drei Vollgeschossen, Dimensionen und Strukturen an das nördlich der Heinrich-von-Stephan-Straße angrenzende Wohngebiet an. Die Raumkante zur Straße wird hier durch eine Reihung von gleich dimensionierten Baukörpern mit einheitlichem Gebäudeabstand entlang einer Baulinie zu Straße hergestellt.

Eingebettet in die in zweiter Reihe folgenden Gebäuderiegel mit Ost- / Westausrichtung mit vier Vollgeschossen werden drei grüne Nachbarschaftsparks mit verschiedenen Nutzungen (Quartiersgarten, Spielplatz, Spielfeld) als kommunikative gemeinschaftliche Spiel- und Freizeitflächen geplant.

Als städtebauliche Dominanten werden beidseitig entlang des von West nach Ost verlaufenden Grünzugs Punkthäuser mit fünf Vollgeschossen geplant. Die nördlich des Grünzugs liegenden Gebäude werden zum Quartiersinnen linear ausgerichtet zum Grünzug hin werden die Gebäudekanten versetzt angeordnet. In den Grünzug werden die im Bestand vorhandenen Bäume sowie Regenwasserretentionsmulden integriert. Südlich des Grünzugs liegende Punkhäuser mit fünf Vollgeschossen werden von der Industriestraße aus erschlossen.

Als Abschluss zur Industriestraße im Süden wird eine zeilenförmige Bebauung mit vier Vollgeschossen und gemischter Wohn- und Gewerblichenutzung geplant. Die geforderte Kita wird am nordöstlichen Ende der Mittelzone angeordnet und wird im Sockel eines ansonsten als Wohnungsbau genutzten Gebäudes untergebracht.

Das Quartier wird mit einer ringförmigen beruhigten Wohnstraße erschlossen. Von der Wohnstraße aus führt ein rasterförmiges Netz von Fußwegen durch das Quartier. Der Grünzug sowie die Nachbarschaftsparks werden als Retentionsflächen zur Versickerung des im Quartier anfallenden und nicht als Brauchwasser verwendeten Regenwassers verwendet.

Die für das Quartier Identität stiftenden Bahngleise und die im Bestand vorhandenen Altbauten entlang der Philip-Reis-Straße bleiben erhalten und werden weiterhin gewerblich genutzt.

Freiraumkonzept

Ein durchgängiger Grünzug in West / Ost Ausrichtung knüpft im Osten an die Ernst-Leitz-Straße und im Westen an die im Bestand vorhandene Grünfläche entlang der alten Güterbahnanlage an. Durch den als Retentionsfläche mit Versickerungsmulden und sanften Hügeln gestaltete Grünzug verbinden Rad- und Fußwege in Ost / West und Nord / Süd Richtung das Neue Quartier mit den bestehenden Stadträumen durch Fuß- und Radwegeverbindungen.

Der Grünzug wir angemessen möbliert und im Wesentlichen mit Bäumen und einfachen Wiesenflächen, Blühflächen, Wildblumensäumen und Kräuterrasen naturnah gestaltet. In den Grünzug wird ein Spielplatz für ältere Kinder und Jugendliche integriert.

Die drei Nachbarschaftsparks in der Quartiersmitte werden mit unterschiedlichen Schwerpunkten gestaltet:

Der Quartiersgarten soll durch gemeinschaftliche Gartenarbeit und Veranstaltungen das soziale Miteinander im Quartier fördern. Die durch die verschiedenen Nutzer individuell genutzten und gestalteten Kleinflächen fördern die Biodiversität und schaffen Lernorte für Kinder und Erwachsene, um mehr über den Umgang mit der Natur zu lernen.

Der Kleinkinderspielgarten stellt in einem sicheren Umfeld und an zentraler Stelle Spielangebote und Flächen für jüngere Kinder aus dem Quartier zu Verfügung.

Für ältere Kinder und Jugendliche wird in einem weiteren Nachbarschaftspark ein Treffpunkt mit Angebot an Spielflächen (Basketball, Fußball) geplant.

Mobilitäts- und Erschließungskonzept

Ziel des Erschließungskonzepts ist eine deutliche Reduzierung des motorisierten motorischen Individualverkehrs aller Antriebsarten (auch von EV) innerhalb und außerhalb des Quartiers. Die Konzeption erfolgt als autoreduzierter Stadtteil mit konsequenter Bevorrechtigung von Fuß- und Radverkehr im Planungsbereich. Die Ver- u. Entsorgung (Müll, Feuerwehr, Anlieferung) des Quartiers erfolgt durch eine ringförmige Wohnstraße. Im Inneren des Quartiers werden keine Parkplätze angeboten.

Die notwendigen Stellplätze der Bewohner werden überwiegend in den als Mobilitätszentralen geplante Hochgaragen, jeweils mit Car Sharing Stationen, Leihlastenfahrradstellplätzen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge geplant. Öffentliche Stellplätze werden ausschließlich an den Straßen entlang der Quartiersränder und in der Thurn-und-Taxis-Straße angeboten. Der Innenbereich des Quartiers ist somit -bis auf unvermeidliche Ver- und Entsorgungsverkehre- autofrei.

Die gegenüber der Stellplatzsatzung der Stadt Heusenstamm verringerte Anzahl der nachgewiesenen Stellplätze (1 Stpl. / Wohnung, 60 % der Stpl. für sonstige Nutzungen) wird durch ein Car Sharing Angebot und die in den Mobilitätszentralen vorgehaltenen Leihfahrräder und Leihlastenfahrräder ausgegelichen.

Die Geschwindigkeitsabstufung erfolgt von den umgebenden, übergeordneten innerörtlichen Straßen (Industriestraße, Philip-Reis-Straße) mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h über die Heinrich-von-Stephan-Straße und Thurn-und-Taxis-Straße (30 km/h) bis zu den beruhigten Wohnstraßen mit Schrittge-schwindigkeit.

Durch den Grünzug wird eine von den bisherigen Straßen unabhängige, neue Fuß- und Fahrradverbindung in West- / Ostrichtung hergestellt.

Wohnwirtschaftliche Aspekte – Nutzungskonzept

Durch die geplante Geschossigkeit von 3 bis 5 Vollgeschossen, effektive Gebäude-typologien und flexible Grundrisse wird eine sehr gute wirtschaftliche Ausnutzung der Grundstücke und flächenschonende Bauweise ermöglicht.

Die hohe Ausnutzung ermöglicht ein sehr breites und gutes Angebot an öffentlichen Frei- und Grünflächen im Quartier die unter anderem für die Regenwasserbewirtschaftung verwendet werden.

Es wird ein breiter Mix an Wohnungstypen und Wohnmodellen vorgeschlagen. Für einzelne Gebäude wird eine Nutzung als Co-Living Wohnhaus vorgeschlagen. Hierfür wird exemplarisch eine Typologie mit innenliegender Erschließung, gemeinschaftlich genutzten Flächen und jeweils Ein- oder Zweiräumigen Privatbereichen für Wohngruppen entwickelt. Für genossenschaftliche Wohnformen wird ein Laubengangtypus mit Erschließung durch einen gemeinschaftlichen Hof vorgeschlagen. Für Baugruppenmodelle und Mehrgenerationenwohnhäuser wird eine flexible Schottenbauweise mit über die Nutzungsdauer variablen Grundrissen und Laubengangerschließung vorgeschlagen. Auf Grund der geplanten Parzellierung und der Gebäudeformate, können über das gesamte Quartier breit gestreut Flächen für geförderten Wohnraum angeordnet werden, um eine gesellschaftliche Segregation zu verhindern. Die Kindertagesstätte wird am östlichen Bereich des Quartiers im Sockel eines Wohnhauses geplant.

Nachhaltigkeit und Klimaanpassungsfähigkeit

Durch die geplanten kompakten Gebäudeformen werden Wärmeverluste minimiert. Gebäude Vor- oder Rücksprünge werden weitgehend vermieden. Die geplanten Kubaturen lassen Gebäude zu, die im Rahmen der Gebäudeklasse 4 der HBO und damit mit verhältnismäßig geringem Aufwand als Holzbau zulässig sind. Es wird daher vorgeschlagen zumindest einen Anteil der Gebäude in Holzbauweise zu planen.

Die Gebäudeausrichtung und -abstände lassen in allen Gebäuden passive Solargewinne zu. Die Dach- und Fassadenflächen werden so weit wie möglich extensiv und bereichsweise intensiv begrünt und zusätzlich mit aufgeständerten Photovoltaiksystemen belegt. Um den Eigenverbrauch des erzeugten Stroms zu erhöhen werden Batteriespeichersysteme geplant und als Heizsystem Luft-/Wasserwärmepumpen auf den Dachflächen vorgesehen. In Abhängigkeit von den geologischen Voraussetzungen ist eine Nutzung von Erdwärmesonden für den Betrieb von Sole- / Wasserwärmepumpen möglich.

Die Dachflächen und Teile der Fassadenflächen werden intensiv begrünt.

Durch den durchlaufenden Grünzug in West- / Ostrichtung sowie die Anordnung und Dimensionierung der Punktförmigen Gebäude ist ein Kaltluftaustausch im Quartier und mit den im Umfeld vorhandenen Waldflächen gegeben.

Das im Quartier anfallende Regenwasser der Dachentwässerung wird als Brauchwasser in Zisternenanlagen gespeichert. Nicht als Brauchwasser verwendbares Regenwasser (Straßenentwässerung) wird in Rigolen unter den Nachbarschaftsparks gespeichert und langsam zur Grundwasserbildung an den anstehenden Boden abgegeben. Entlang des Grünzugs sind oberirdische Retentionsmulden zur Versickerung des Oberflächenwassers geplant.

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